Bildung der Abschnittsverwaltung-Transportpolizei - Transportpolizei

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Bildung der Abschnittsverwaltung-Transportpolizei

Historie > Transportpolizei > TPA Neubrandenburg Sitz Pasewalk
Bildung der Abschnittsverwaltung-Transportpolizei im Bereich der Reichsbahndirektion Greifswald Mitte der fünfiger Jahre
Erinnerungsbericht von:
Heinz Kopischke, Major der VP (a.D.) im BDVP Neubrandenburg
Dienstzeit von 01.04.1950 bis 31.10.1981
(Quelle: Archivmaterial TPA Neubrandenburg, Sitz Pasewalk)  

                                                                                                                                                                                                                         
Pasewalk den 01.01.1983
 
Die Bildung der Abschnittsverwaltung-Transportpolizei
im Bereich der Reichsbahndirektion Greifswald   Mitte
der fünfziger Jahre ergab sich notwendigerweise aus
der damaligen Klassenkampfsituation und dem Stand der
gesellschaftlichen Entwicklung in der DDR

Aus eigenem Erleben möchte ich aus meinem Gedächtnis ein paar
Gedanken und Fakten aus heutiger Sicht dazu äußern.
Vorweg möchte ich sagen, daß die Bildung der AV-T im Bereich
der Rbd Greifswald äußerst kompliziert war und nur durch
 
  • eine hohe Einsatzbereitschaft der Genossen Offiziere und Wachtmeister und
  • die gewachsene Kampfkraft der SED Grundorganisationen
möglich war.
 
Das  seit dem Bestehen der DVP - in Greifswald, Grimmerstr., (Objekt heutiger Bierbrauerei) gebildete und damals benannte
Volkspolizei-Amt-Transport (VPA (T)) wurde Ende 1953 aufgelöst und die Abschnittsverwaltung-Transportpolizei (fortlaufend AV-T genannt) am 01.01.1954 gebildet.
Diese Strukturveränderung ergab sich in den fünfziger Jahren notwendigerweise aus der bestehenden Klassenkampfsituation sowie dem Stand der Gesellschaftlichen Entwicklung in der DDR.

Entgegen der bisherigen Zersplitterung der Kräfte und Mittel bedingt durch die Struktur des VPA (T) mit seinen nachgeordneten
Inspektionen, Außenstellen und Wachen wurde mit der Bildung der AV-T mit den nachgeordneten 6 Objektkompanien in einer Starke
von 150 - 180 Genossen Offiziere und Wachtmeister und deren Stationierung in den größten Städten mit den größten Bahnhöfen eine
Konzentration der Kräfte und Mittel erreicht.
Das war eine der wesentlichsten Voraussetzung für den der Transportpolizei Übertragenen Klassenauftrag durch die  Partei der Arbeiterklasse.
 
Die Kompanien waren wie folgt stationiert:
1. Kompanie in Stralsund
2. Kompanie in Pasewalk
3. Kompanie in Eberswalde
4. Kompanie in Greifswald
5. Kompanie in Neustrelitz
6. Kompanie in Neubrandenburg
 
Auf die damalige Struktur der Objektkompanien möchte ich nicht eingehen.
Die Durchsetzung der vorgenannten Strukturmaßnahmen war mit einer wesentlichen Erhöhung der Personalstärke verbunden,
um dem Vorhaben des Klassengegners auf dem Gebiet der Deutschen Reichsbahn erfolgreich entgegenwirken zu können bzw. seine Absichten zu durchkreuzen.
Die Zielstellung des Klassengegners in den fünfziger Jahren auf dem Gebiet der DR bestand u.a. darin, in Form von Anschlägen und Sabotageakten das Verkehrswesen der DDR lahmzulegen, um somit den sozialistischen Aufbau in der DDR zu hemmen und damit den Glauben an den Sozialismus bzw.  das Staatsbewusstsein der Bürger zu erschüttern.

Aus vorgenannten Gründen bestand u.a. die Hauptaufgabe in dieser Periode darin, alle wichtigen Einrichtungen und stationären betriebe der DR, wie Eisenbahnbrücken, RAW, BBW, Basa, Signalanlagen, Drehscheiben, Wassertürme u.a. kategorisierte Objekte von allen Angriffen zu sichern.
Ein besonders gefährdetes Objekt über viele Jahre hinweg im AV-T-Bereich war auf Grund seiner wirtschaftlich-strategischen Bedeutung der Rügendamm und die Ziegelgraben-Brücke unmittelbar davor.
Dieses größte Objekt im AV-T-Bereich musste jahraus jahrein rund um die Uhr mit einer Gruppe Objektposten gesichert werden.
Wer den Rügendamm kennt, wer vor allem dort Posten im Winter gestanden hat, wie ich selber, weiß nur zu gut, welchen hohen psychischen und physischen  Belastunzen die Genossen Objektposten insbesondere in kälteren Wintern ausgesetzt waren.
 
Nicht unerwähnt möchte ich die von Agenten vorgenommene Mienenlegung an der Randowbrücke in Torgelow lassen.
Durch das unsichtige und wachsame Handeln unsrer Genossen konnte Menschenleben gerettet und die Brücke vor einer Zerstörung gerettet werden.
 
Einige Gedanken zur Kaderlage zum Zeitpunkt der Bildung der AV(T)
Bedingt durch das ehemalige VPA (T) in Greifswald, also vor
der AV(T)-Bildung, waren die Offiziere, insbesondre die Führungskader, im Raum Greifswald und Stralsund sesshaft konzentriert.
Folglich bildeten die Kader aus diesem Bereich den Kern der neu zu bildenden AV-T.
Einzelne, jedoch wenige 0ffiziere und Wachmeister wurden aus dem Raum Pasewalk und Eberswalde bzw. Angermünde hinzugezogen.
Sie wurden auf Grund der weiten Entfernung kaserniert untergebracht.
Da fast alle Offiziere und Wachtmeister verheiratet waren, bedeutete diese Kasernierung eine Trennung von der Familie, die sich, wie nachfolgend ersichtlich, über Jahre hinauszog.
 
Die Standorte der AVT Waren zeitlich und räumlich wie folgt stationiert:
 
1. AV-T, Sitz Stralsund vom 01.01.1954 - Herbst 1954.
2. AV-T, Sitz Greifswald vom Herbst 1954 - 26.09.1956.
3. AV-T, Sitz Pasewalk vom 27.09.1956 bis zur Auflösung der AV-T am  30.06.1970 gemäß Befehl/ 0020/69 des Ministers des Innern und Chef der DVP.
 
Ab 01.07.1970 wurde das TPA Neubrandenburg mit seinem Sitz in Pasewalk  gebildet.
Die oben genannte Standortverlagerung der AV-T weist nach, dass die
Abschnittsverwaltung bereits Ende 1954 nach Greifswald, Feldstr.in ein Barackenlager (4 primitive, einfache Holzbaracken) verlegt wurde.
 
Diese Verlegung erfolgte auf Grund akuten Raummangels in Stralsund.  
Die Abschnittsverwaltung war im Reichsbahnamt mituntergebracht. Der Standort Greifswald bedeutete für die Genossen Offiziere und Wachtmeister aus Greifswald und Stralsund des Vorhandenseins guter Arbeitsbedingungen.
Die Stralsunder Genossen hatten gute Zugverbindungen und benötigten für die Fahrt, je nach Zugart, damals 30 bzw. 45 Minuten - also durchaus zumutbar.
Allerdings für die Genossen Offiziere aus den Räumen Pasewalk, Angermünde und Eberswalde traten keine familiären Erleichterungen ein.
Sie wurden in der Jugendherberge und später nach Auflösung der sowjetischen Kommandantur in der H.-Löhs-Str. untergebracht.
Die Lebensbedingungen waren hier schlecht.  Es mangelte an vielem.
Die Notdurft musste grundsätzlich in Freien vorgenommen werden.
An eine Badewanne war nicht zu denken.
Diese Tatsache beweist Einsicht in die Notwendigkeit, Einsatzbereitschaft, politisches Bewusstsein und Standhaftigkeit.
 
Bereite zum Zeitpunkt der Bildung der AV-T 1954 machte sich die Leitung der Abschnittsverwaltung in der Zusammensetzung:
 
  • Leiter der AV-T:                                   Oberrat   Berger
  • Stabschef:                                           VP-Rat    Becker
  • Stellvertreter für politische Arbeit:          VP-Rat    Schneider
 
 
Gedanken, wo man die Abschnittsverwaltung endgültig stationieren könnte.
Zu bemerken ist, dass der erste Abschnittsleiter, Gen. Oberrat   Berger, Ende  der fünfziger Jahre von der  Dienststellung  entbunden wurde und als Stellvertreter des Leiters der  AV-T mach Schwerin versetzt wurde. Als neuer Leiter der AV-T wurde Oberstleutnant der VP Dey ernannt, der aus der AV-T Dresden kam.
Bedingt durch einen Schulbesuch an der HSDVP, Berlin-Kaulsdorf des Gen. Dey und die Auflösung der AV-T war kurze Zeit Oberstleutnant der VP
Kunz mit der Führung der Geschäfte Leiter AV-T beauftragt worden.
Der 1. Stabschef, Gen. Becker, wurde auf eigenen Wunsch nach Cottbus als Stellvertreter des Leiters der AV-T Cottbus versetzt.
Späterhin war er bis zur Auflösung der AV-T als Leiter der AV-T Cottbus tätig.
Der 1. Stellvertreter für politische Arbeit, VP-Rat Schneider wurde durch Befehl des Ministers des Innern und Chefs der DVP zur NVA Grenze als Stellvertreter für politische Arbeit versetzt.
 
Zurückzukommen auf die Planung des endgü11tigen Standortes der
AV-T sei gesagt, dass diese im Einvernehmen mit der Hauptabteilung Transportpolizei auf Pasewalk gefallen ist, Indem ein neues Objekt gebaut wurde.
Ich will hier nicht darüber befinden, ob dieser Entschluss richtig oder falsch war, was mir übrigens auch gar nicht zusteht.
Das neue Objekt der AV -T wurde somit als endgültiger Sitz In Pasewalk am 27.09.1956 bezogen.
Dieser Entschluss brachte eine Verschlechterung dar Lebensbedingungen für über zwei Drittel aller Offiziere der AV-T mit sich.
Das heißt, dass neben den Offizieren aus dem Raum Angermünde und Eberswalde, die weiterhin kaserniere wurden, jetzt auch das Gro der Offiziere der AV-T aus dem Raum Greifswald und Stralsund in Pasewalk kaserniert werden musste.
 
Mit der Verlegung der Abschnitteverwaltung von Greifswald nach Pasewalk wurde eine zwei-jährige Trennung der Genossen der Offiziere der AV-T von ihren Familien eingeleitet.
Wenn sie nicht in Diensthabenden-System erfasst waren blieb für die Familie jeweils nur das Wochenende übrig.
Ich möchte aus heutiger Sicht die hervorragende standhafte Haltung der Ehefrauen insbesondere hervorheben, weil sie die größte
Last zu tragen hatten. Sie waren es, die die Probleme des Haushaltes und die Erziehung der Kinder zu bewältigen hatten.

Die Verlegung der AV-T nach Pasewalk hatte meiner Auffassung nach einer weiteren negativen Seite hinsichtlich der Führungs- und Leitungstätigkeit.
Es zeigte sich sehr bald, dass das Zusammenwirken bzw. die Zusammenarbeit zur
 
  • Rbd in Greifswald
  • BDVP in Neubrandenburg
  • BV MfS in Neustrelitz
  • Rat des Bezirkes, Abt. Verkehrswesen
 
durch die Entfernungen von 60-80 km erschwert wurde.
Es leuchtet ein, dass das eine kostspielige Sache und mit viel Zeitaufwand verbunden war.
Man bedenke, dass fast täglich ein bzw. mehrere Pkw in diese Richtungen unterwegs waren.
Folglich wäre es vorteilhafter gewesen, wenn die AV-T im zentralen Punkt der Rbd, also in der Bezirksstadt Neubrandenburg, errichtet worden wäre.

Ich komme zu der geschaffenen Tatsache, dem gebauten Objekt der AV-T in Pasewalk, zurück.
Ich hatte bereits erwähnt, dass über zwei Drittel der Offiziere kaserniert in dem Objekt untergebracht waren.
Da Pasewalk zu 80 %, im 2. Weltkrieg zerstört wurde, bestand absolut keine Möglichkeit, eine Wohnung am Dienstort, was ja das Ideale ist, zu beziehen.
Die Möglichkeiten des Wohnungstausches waren ebenfalls damals ganz gering.
Hier und dort gab es später auch von Genossen Offizieren aus dem Raum Greifswald und Stralsund Vorbehalte betreffs des Umzuges mach Pasewalk, in eine damals "tote" Stadt.
Greifswald wurde ja dank der humanistischen Tat des damaligen Stadtkommandanten im 2. Weltkrieg, Oberst Petershagen, vor der Zerstörung gerettet.
Die die Trennung von den Familien über 2 Jahre andauerte und kein Ende einer Zusammenführung sichtbar wurde auf Grund der objektiven Umstände, war eine Missstimmung nicht zu übersehen.
Man bedenke, dass die Genossen aus Eberswalde und Angermünde bereits über 4 Jahre von den Familien getrennt lebten.

In dieser Situation fand Ende 1958 bzw. Anfang 1959 (genau weiß ich den Zeitpunkt nicht mehr) eine Versammlung der SED- Grundorganisation statt, an der auch der damalige Chef der Transportpolizei, Oberst der VP Beyermann, und sein Kaderleiter, Oberst der VP Uebel, teilnahmen.
Ich kann mich an diese GO-Versammlung noch recht gut erinnern, da diese zwar sehr kritisch, aber dennoch sachlich verlief.
IQ Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage: „Wie kann das Stimmungstief der Genossen überwunden werden?"
Im Ergebnis dieser GO-Versammlung entschied der Chef der Hauptabteilung Transportpolizei, dass ein Framo-Bus (17 Plätze) von Stralsund nach Pasewalk und zurück täglich und ein Bus B 1000 von Eberswalde nach Pasewalk und zurück täglich fährt.
Diese Maßnahme brachte einerseits für die Familie in gewisser Hinsicht eine leichte Verbesserung, z.B. Beratung und Festlegung anstehender Probleme in der Familie usw. andererseits bedeutete die tägliche Fahrerei für die Genossen Offiziere eine Verlängerung des Arbeitstages von 8 auf 12 Stunden pro Tag, denn die Fahrt dauerte mit dem Framo-Bus bis Stralsund ca. 2 Stunden, also insgesamt täglich 4 Stunden Fahrt unter normalen Witterungsbedingungen.
Im Winter kam es des Öfteren, vor, dass wir eine Zeit von 3 Stunden pro Fahrt benötigten,
Ich entsinne mich noch, daß wir eines Tages mit dem Bus zwischen Anklam und Ducherow zwischen zwei Bäumen, durch den Chausseegraben hindurch, auf dem Acker landeten.  
Bis auf ein paar Verstauchungen ging alles glimpflich ab.
Die tägliche Fahrerei in Richtung Norden und Süden des AV-T Bereiches wurde 1962/63 beendet.
Ursache: Ökonomisch war diese Maßnahme nicht länger vertretbar.
Der bereitgestellte Bus hatte seine Lebensdauer längst überschritten und war nicht mehr verkehrssicher.
Ein neuer Bus konnte und wurde nicht mehr bereitgestellt.
Außerdem möchte ich auf den täglichen Spritverbrauch hinweisen.
Die Aufhebung der Fahrerei war aber auch deshalb möglich, weil sich im Laufe der Jahre die Kaderlage durch die Heranbildung junger Kader aus dem Raum Pasewalk stabilisiert hatte.
 
Als Beispiel sei nur der Leiter den TPA, Oberstleutnant der VP Klemp genannt, dessen Entwicklung in dieser Zeit begann.
Hinzu kam, dass einige Offiziere, worunter auch ich mich befand, von Greifswald nach Pasewalk, verzogen.
Eine weitere Entkrampfung der Kaderlage in der Abschnittsverwaltung wurde durch die Auflösung der Objektkompanien und die Bildung der Transportpolizei-Ämter Stralsund, Pasewalk und Neustrelitz im Jahre 1959 erreicht. Damit war die Versetzung einiger Offiziere aus dem Raum Greifswald und Stralsund nach Stralsund
verbundene.
Somit verblieben nur einzelne Offiziere weiterhin in Pasewalk. Damit wurde  endgültig ein wesentlicher Schwerpunkt betreffs hoher Belastungen gelöst bzw. beseitigt.
 
Soweit ein kleiner Querschnitt, einige Gedanken und Fakten, die im Zusammenhang mit der Bildung der AV-T Pasewalk im Zusamenhang standen.



Abkürzungen:
AV-T                               Abschnittsverwaltung-Transportpolizei
DVP                                Deutsche Volkspolizei
VPA (T)                           Volkspolizei-Amt-Transport
TPA                                Transportpolizei-Amt
Rbd                                Reichsbahndirektion
DR                                  Deutschen Reichsbahn
RAW                               Reichsbahn Ausbesserungswerk
BBW                               Bahnbetriebswerk
Basa                               Bahnselbsanschlussanlage (Telefonnetz der DR)
Gen.                               Genosse
HSDVP                            Hochschule der Deutschen Volkspolizei
BV MfS                            Bezirksverwaltung Ministerium für Staatssicherheit
o.g.                                 oben genannten
 
 












Fotos der Transportpolizei 1950 Bahnhof Pasewalk
Fotos der Transportpolizei 1951 in Pasewalk
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Interessengemeinschaft (IG)
 VEB Schwellenschutz – Die Transportpolizei
 ©Ingo Moschall
Foto: Heino Vogel, 22926 Ahrensburg
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